der 9. Dezember

Source: der 9. Dezember

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der 9. Dezember

am 18. Oktober haben 30% der Schweizer Wählenden der SVP den Auftrag gegeben, weiterhin Fundamentalopposition zu betreiben. Die Vereinigte Bundesverfassung sollte dies am 9. Dezember berücksichtigen.

Alle vier Jahre wird man von allen Mitspielern wieder mit der jeweiligen parteispezifischen Definition von Konkordanz beglückt, von denjenigen, welche weder konkordant noch kollegial sein können meist mit Arithmetik. Dass die SVP weder das eine, noch das andere sein kann, gibt sie wenigstens zu mit dieser Argumentation. Wenn aber der Präsident der 16%-Partei dasselbe fordert (man lernt auch in einer Gipserlehre, dass dies EINEM Siebtel entspricht, nicht zwei), so ist das nicht nur unbeholfen, sondern auch eine Zementierung der Steigbügelhaltermentalität, zu welcher diese einstmals Staatstragenden abgerutscht sind. Mit einer funktionierenden Regierungsform hat diese Argumentation nichts zu tun.

Ich empfinde die FDP als die eigentliche Verliererin das vergangenen Wahlsonntags. Wenn nach allen Vorzeichen während des Sommers für einen Rutsch in die eigene Richtung der wahre Zuwachs an den Konkurrenten weiter aussen ging, und an die FDP nur Brosamen, wenn die eigenen Ziele nicht erreicht wurden, wenn Pannen wie in AR und UR unterlaufen sind weil man es in den Kantonen verpasst hat, Kandidaten aufzubauen, wenn die Parteispitze am Wahlabend nicht von eigenen Stärken und Programmen spricht, sondern von den Regierungsansprüchen der Konkurrenz, wenn die eigene Parteizeitung ins Lager der Konkurrenz einschwenkt, dann kann man nicht von einer Siegerpartei sprechen. Deren gemäss eigenen Erwartungen nochmals magerer ausgefallene Sitzgewinne um das einmalige Ergebnis 2011 korrigiert liegen dort, wo die Hauszeitung von “Besitzstand halten” spricht, wenn es sich um die Konkurrenz von CVP oder die BDP handelt, nämlich im Bereich 1 oder 2 Sitze. Wahrlich nicht berauschend. Vor allem angesichts der Ausgangslage und dem Trend.

Die vor bald 6 Jahrzehnten geschaffene Zauberformel hat sicher ihren Zauber verloren. Als für die Schweiz funktionierende Regierungsidee ist sie nach wie vor tauglich. Es ist lohnenswert, zu betrachten, was sie fast 4 Jahrzehnte erfolgreich gemacht hat, und was eben nun bald 2 Jahrzehnte nicht. Ihr Schöpfer, Martin Rosenberg, hat damals davon gesprochen, die aufbauwilligen Kräfte zusammen zu bringen. Von den abbauwilligen hat er nicht gesprochen. Ebenso nicht gesprochen hat er von Zahlen, von arithmetischen Ansprüchen, von Anzahl Parteien. Bemerkenswert ist auch, dass diese Regierungsform auch erfolgreich war in Phasen, wo 30% des Elektorats nicht an der Regierung beteiligt waren. Auch das kam vor. Im Laufe der ersten vier Jahrzehnte hat es sämtliche Regierungsparteien ab und zu getroffen, dass von der vereinigten Bundesversammlung nicht der jeweilige Parteifavorit gewählt wurde. Oft mit mehr als brauchbaren Auswirkungen. Eine weitere Stärke seiner Formel war die Tatsache, dass der Mitte drei Sitze zukamen.

Nicht so gut geklappt hat es in den letzten zwei Jahrzehnten nicht nur wegen der Unfähigkeit der SVP zu Anstand, Kollegialität und konsensorientiertem Regieren. Ihr Anspruch, gleichzeitig an der Regierung beteiligt, aber auch Fundamentalopposition dagegen betreiben zu wollen, ist demokratisch unlauter, und konstruktivem Regieren natürlich abträglich. Ihre mangelnde Kandidatenflexibilität ein Zweites. Ihre menschenverachtende Propaganda, der verleumderische Stil, ihr nach aussen projektiertes Bild der Schweiz ein Drittes. 70% der Wählerschaft wünschen sich keine solche Schweiz.

Die vereinigte Bundesversammlung hat der Erpressung zweimal nachgegeben, 2003 und 2008. Beide Male wurden die Erwartungen enttäuscht. Man sollte sich nicht ein drittes Mal erpressen lassen, dies würde nur als Schwäche ausgelegt.

Aus Sicht der am Wahltag massgeblichen Parteien muss man konstatieren, dass vorlaute Äusserungen der Bundesratskandidaten Gerhard Pfister und Filippo Lombardi hoffentlich lediglich der persönlichen zukünftigen Wählbarkeit mittels Stimmen von rechts geschuldet sind. Die CVP als Partei  mit vitalem Interesse an einer starken Mitte kann jedoch unmöglich ein Interesse daran haben, sich mittels Mithilfe zur Wahl von 2 SVP-Bundesräten selbst abschaffen zu wollen. Demzufolge müsste nach aller Vernunft eine geschlossene CVP-Fraktion auch entsprechend handeln.

Was die FDP betrifft, so kann sie am 9. Dezember entweder ein für alle Mal ihr Steigbügelhalterimage festigen. Und weiter an Profil verlieren. Meines Erachtens wäre dies unwiderruflich. Und der weitere Niedergang somit programmiert. Oder aber sie kann beginnen, ihr grösstes Versäumnis der letzten zwanzig Jahre nachzuholen, nämlich das eigene Profil zu schärfen. Dies wird nicht möglich sein, wenn sie sich nicht distanziert von der SVP. Sie sollte dies am Besten deutlich tun.

Meine Idee hat zwei Schwächen. Einerseits kann man nicht bei der zweiten anstehenden Wahl argumentieren, Bundesräte mit gutem Leistungsausweis seien nicht abzuwählen, und dann bei der dritten anstehenden Wahl den zweitbesten Velofahrer aller Zeiten abwählen. Ein oppositionelles Abhörgerät wird also in der Regierung verbleiben. Es sei denn, seine Partei löst dann dieses Problem schon bald.

Und zweitens wird ein medialer Sturm über das Land hereinbrechen. Die vierte Macht wird sich von der SVP mit Wollust vereinnahmen lassen. Diese ist auch die einzige Partei im Land, welche die Medienarbeit beherrscht. Damit wird dies solange auszuhalten sein, bis die anderen Parteien ihren Rückstand mittels intensiver Schulung unter gleichzeitigem Aufbau von Kandidaten in den Kantonen geschafft haben. Und sich in dieser Zeit auch ein Kommunikationskonzept zurecht gelegt haben. Nicht ganz banal, diese Aufgabe. Die FDP wird zusätzlich mal ein ernstes Wort mit ihrer Hauszeitung sprechen müssen.

Es wird Mut brauchen. Ich bin fest überzeugt, dass dies zum Wohle der Schweiz durchgestanden werden muss. Die FDP musste in den Fünfzigerjahren noch dazu gezwungen werden, beim zukünftigen Erfolgsmodell mitzumachen. Dieses Mal könnte sie eine Vorreiterrolle einnehmen. Würde ihr gut stehen.

Staatsbesuche in der Schweiz

ein paar Betrachtungen zu den Bildern und der Berichterstattung über Präsident Hollandes Staatsbesuch. Wie üblich chauvinistisch, diskriminierend und “dänäbä”.

Zuerst zur Umfrage von tagionline und bazonline: ist natürlich peinlich, das mit dem ohnmächtigen Soldaten der Ehrengarde. Aber deswegen anzuregen, dass die Schweiz unilateral einfach keine Ehrengarde mehr stellen solle, zeugt von wenig Staatsverständnis. Natürlich macht das Ganze “keine Falle” mehr, seit man keine Präsentieruniformen mehr hat. Selbst das seinerzeitige “Tenue B” der Schweizer Armee war ja bereits ein bisschen grenzwertig. Und wenn nun Rekruten im Tarnanzug , also in Arbeitskleidung, hingestellt werden, ist das ja eigentlich keine Ehrenbezeugung mehr.

Nun ist ja das Argument durchaus richtig, dass man das Ganze im Internationalen Kontext sehen muss, Ehrenbezeugung, herrührend vom angebotenen Schutz des Gastes, internationale Gepflogenheiten, Traditionen, Gebräuche, deren uniforme Anwendung durch ALLE Länder eben erst deren Sinn ausmachen, alles richtig. Die Frage sei aber erlaubt, angesichts der oben bereits erläuterten Tenuefrage, aber auch im Hinblick auf geschwundene Bedeutung nationaler Armeen vor dem Hintergrund von Verbundeinsätzen und vor der, und jetzt kommts: vor dem eigentlich einzigen wirklich wichtigen Potential solcher Staatsbesuche: sich in einem entsprechenden Licht präsentieren um ZUHAUSE Popularität zu gewinnen (Staatsbesuche sind heute Innenpolitik, Aussenpolitik wird mittlerweile nicht mehr mittels traditioneller Diplomatie gemacht) und allerwichtigstens: der Möglichkeit für den besuchenden Gast, sich mittels Selfies in einem attraktiven Szenario zu präsentieren: ja dann mag doch die Frage erlaubt sein: noch zeitgemäss?

Aber eine Schweiz kann sich natürlich niemals erlauben, hier vorzupreschen und traditionelle diplomatische Gepflogenheiten einfach unilateral nicht mehr zu befolgen und damit ihre Partner zu brüskieren. Aber sie könnte sich im Internationalen Dialog einbringen und eine Diskussion anregen, diesen Anachronismus abzuschaffen.

Zur vereinzelt geäusserten Kritik an der Berichterstattung durch unsere Medien, so zum Beispiel SGA betreffend NZZ: aber nicht doch! Speziell anlässlich solcher Gelegenheiten darf man doch ein bisschen chauvinistisch sein!

Und damit zu meinem eigentlichen Ärgernis. Das Offizielle Foto. Und ab jetzt: Feministinnen und Freunde mit tiefer Toleranzschwelle bitte nicht mehr weiterlesen!

Jetzt einmal einfach rein optisch betrachtet, das Auge sieht ja auch mit, sozusagen und nicht überraschend: wer hat eigentlich seinerzeit erfunden oder beschlossen, dass die Bundeskanzlerin ebenfalls aufs Foto gehört? Eben. Und: wir haben 7 Bundesräte, nicht 8.

Und die Heidrun: sorry, bei allem Enthusiasmus der Frau, aber wie meistens hätte man sie beraten müssen. Diesmal hinsichtlich der Farbwahl ihres Kleides. Wenn sie die zweifellos ausführliche investierte Zeit in ihre Kleiderwahl stattdessen ins Bügeln der Hosen ihres Gemahls verwendet hätte, wäre viel gewonnen gewesen.

Schliesslich zu den Fragen Höflichkeit und diplomatische Gepflogenheiten: der Termin stand ja schon lange fest. Folglich benimmt man sich entsprechend und die entsprechenden Ehegatten werden aufgeboten, einziger Entschuldigungsgrund eigener Todesfall. Liebe Frau Widmer, auch wenn ich Ihre Arbeit schätze, und Sie auch, aber die Kollegin Leuthard hat ja ihren Hausin auch mobilisiert, das muss man doch erwarten können! Die Entschuldigung, der Hollande sei ja auch ohne Begleitung hier, gilt nicht, es handelt sich um diplomatische Gepflogenheiten und Gebräuche, und die kann man nicht persönlich auslegen.

Beim Ueli, natürlich nicht überraschend, aber nichtsdestotrotz beschämend, ist das wieder einmal auch nicht anders und hat ja mittlerweile Tradition, aber dort hat es wohl mit seiner permanenten Arbeitsverweigerung zu tun. In seinem Fall sei die Bemerkung gestattet: wenn man diese minimalen persönlichen Voraussetzungen nicht mitbringen kann und will, soll man sich nicht wählen lassen! Das ist unanständig!
Ab jetzt können wieder alle mitlesen.

ungleiches Duell

Bundesverfassungsdebatte heute in der NZZ, auf der einen Seite ein Staatsrechtler, gescheit, konzis, sachlich, auf der andern Seite ein Privatrechtler, wirr, sich selbst widersprechend, juristisch inkorrekt argumentierend, den Beweis grad selbst erbringend, warum die Gegner seine Initiative auch Abschottungsinitiative nennen. Den Vorwurf des schweren Angriffes auf unsere Demokratie und des mangelnden Rechtsverständnisses muss er sich gefallen lassen. Und den der Wirtschaftsfeindlichkeit, will doch die Initiative einen Standortvorteil der Schweiz abschaffen, nämlich Rechtssicherheit und unser Ansehen als verlässlicher Partner. Und in Sachen Stil: auch wenn seine Parteileitung wiederholt zum Instrument der Diffamierung und zu Rattenfängerparolen und Volksverhetzung greift: ein staatlich besoldeter Rechtslehrer darf das nicht, er kann nicht einfach das Volk anlügen, so wie es seine Rennleitung regelmässig tut.

OSSERVZIONI POTATORI INCOMPETENTI

Weitere Degustationsnotizen eines unbedarften Weintrinkers. Heute im Blog: die Altersfrage.
Eigentlich erstaunlich, bei meinem Ruf als Süffel, dass in den vielen Jahren meiner Blog-Tätigkeit dies erst der vierte Blog zum Thema Wein ist. Deshalb widme ich ihn meinem Freund Andreas, welcher zum selben Thema ebenfalls eine Meinung hat.
Heute Nachmittag habe ich in meinem Weinkeller etwas aufgeräumt und prompt noch eine Flasche 1993er gefunden, der erste von mir selbst abgefüllte Jahrgang meines Brunellos. Ich hatte mir bereits einen Pastasugo mit Gamberoni, fein gehacktem Prezzemolo, geviertelten Pomodorini und Knoblauch in eine Marinade gelegt, welche ich mit Kravattennüdeli zum Znacht essen wollte, schliesslich bin ich ja Schweizer. Braucht einen Haufen Salz und Pfeffer zum Abschmecken, diese Sauce, deshalb war die Aufgabe für den begleitenden Wein keine einfache, da ich ja eher delikate Aromen vom Wein erwartete.
Den Pinello habe ich etwa zwei Stunden vor dem Essen geöffnet und während dem Kochen gemächlich 2 Gläser davon getrunken. Mein erster Eindruck war höchst erfreulich: perfekter Korken, keine störende Geschmacksnoten, reiner Weingeschmack aus der Flasche. Der erste Schluck: völlig transparente, purpurrote Farbe, keine Schlieren, reiner Duft. Typische Brunellonoten in der Nase. Überhaupt keine Kellernoten. Farbe und erster Geschmackseindruck: eher 2005 als 1993, viel jünger?!? Nun ja, es kam dann ein Installateur vorbei, um meine Heizung zu flicken, und so blieb der Wein mal zwei Stunden stehen. Als ich ihn dann zum Essen gemächlich und mit steigender Begeisterung trank, offenbarten sich die typischen Brunello-Eindrücke ohne jegliche Altersnoten oder sonstige Defekte. Natürlich waren da keine Himbeernoten mehr erkennbar, wie sie bei unseren Fassproben am Anfang üblich sind. Aber die Erdbeernoten waren von Anfang an da, mit der Zeit mehr und mehr in Richtung reife Erdbeeren wechselnd. Im Laufe des Essens, der Wein war mittlerweile etwa seit 3 Stunden geöffnet, allmählich Apfel-Noten, Honig, und dann reife Äpfel. Und bis zum Schluss reife Erdbeeren. Und das letzte Glas, wunderschönes klares Kardinalspurpur, fast kein Satz, obwohl ich nicht filtere: Du hast es erkannt, lieber Leser: während ich normalerweise bei Flaschenhälfte vakuumiere und mich auf den nächsten Abend freue, war die Freude dieses Mal schlicht zu gross und ich habe die ganze Flasche genüsslich ausgetrunken. Werde morgen früh trotzdem nichts merken, zu einwandfrei war dieses kleine Juwel. Und deshalb meine Frage an Andreas (ich will ja meinen Lesern nicht vorgaukeln, dass Du die Philosophie vertrittst, man sollte den Wein möglichst trinken, bevor er in die Flasche kommt): was hat der Weinbauer hier falsch gemacht, die Flasche war ja immerhin fast 22 Jahre alt und trotzdem eine kleine Sensation? Und bevor Du jetzt zur Feder greifst, die volle Wahrheit: ich hatte zwei, nicht eine, Flaschen vom 1993er gefunden. Bei der ersten hatte der Korken die lange Lagerzeit nicht überstanden und war bis oben durchnässt. Dementsprechend hatte der Wein muffige Korknoten und war nicht geniessbar. Was ja Deine Philosophie unterstreicht. Aber die zweite war dann eben eines dieser seltenen Erlebnisse. Deshalb meine Euphorie und hoffentlich nicht übertriebene Polemik.
Salute! Auf guten Brunello! Und auf alte Weine (if I may)!

Ostergruss aus Italien, views from the Pino hill

Liebe Freunde in der Schweiz. Zu Recht habt Ihr Euch beschwert, schon lange nichts mehr gehört zu haben aus dem Land, wo die Zitronen und Akazien blühen. Nun, jetzt ist wieder mal etwas passiert. Und darüber möchte ich Euch erzählen. Es trug sich nämlich zu, dass eine Gruppe von Schweizer Historikern über die Osterfeiertage zur Schlachtkapelle von Marignano gepilgert und dort eine aufsehenerregende Entdeckung gemacht haben. Unter den Gebeinen der abgeschlachteten Söldner und den vielen Gedenktafeln fand man nämlich am Ostermontag ein Pergament, eine fünfhundert Jahre alte Schrift, welche noch recht gut erhalten war. Unschwer ließ sich ein Liedtext entziffern, welcher offenbar von den eidgenössischen Söldnern in der zweifellos schlaflosen Nacht vor dem Grossen Abschlachten komponiert worden war. Das Schriftstück wird im Moment in den Redaktionsräumen der Weltwoche sorgfältig restauriert, bevor es dann in der neuen Schweizerischen Nationalbibliothek in Herrliberg permanent ausgestellt und einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden wird. Gemäß bereits durchgesickerten Augenzeugenberichten ist der Text wortwörtlich identisch mit dem ersten Hitparadensong von DJ Bobo. Eine zweite Entdeckung aus der Schlachtkapelle ist mindestens ebenso interessant. Scheinbar hatten die Schweizer Söldner in ihrer schlaflosen Nacht auch eine Methode zur Holzverzuckerung erfunden, offenbar ein Abfallprodukt des selbstgebrannten Bätziwassers, mit welchem sie ihr Heimweh bekämpft hatten. Ein findiger Truppenführer wollte diese neue Entdeckung sofort nutzen, dessen Verwendung als Autotreibstoff schwebte ihm vor. Dann fiel ihm rechtzeitig ein, dass ja das Auto noch gar nicht erfunden war, und so vergrub er die neue Erfindung in einem Kartoffelacker 10 Kilometer westlich von Chur, wo sie während über 400 Jahren verschollen blieb. Er hätte natürlich stattdessen auch das Automobil erfinden können, verzichtete aber darauf, da ihm rechtzeitig einfiel, dass man ein Auto auch zu Auslandreisen benützen könnte. Und solche waren ihm natürlich verpönt, mit Ausnahme von Wanderferien in Nordkorea, einer im damaligen ausgehenden Mittelalter patriotisch unverdächtigen Freizeitbeschäftigung.
So ging das damals zu her.

nach dem 9. Februar

Eine halbe Million Schweizer lebt und arbeitet in der EU. Ich bin einer von ihnen. Zu Zeiten vor der Personenfreizügigkeit hiess dies, sich jährlich einmal in die Kolonne vor der Questura in Siena zu stellen, und zusammen mit den andern Nichteuropäern (Schweizer, Chinesen, Ghanaesen, Mongolen) um die auf ein Jahr befristete Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu ersuchen; nach einiger Zeit dann nur noch alle 3 Jahre. Mit Einführung der Personenfreizügigkeit ist dies etwas menschenwürdiger geworden. Ich wünsche Bundesrat Burkhalter viel Erfolg im Aushandeln einer weiterhin menschenrechtsgerechten Lösung mit unsern Nachbarländern. Sollte dies scheitern, oder von gewissen Kreisen torpediert werden, sind Reperkussionen so sicher wie das Amen in der Kirche. Gerade Nachbarn wie Italien, welche noch andere ungelöste Probleme mit der Schweiz haben, werden nicht zögern, Auslandschweizer zu diskriminieren. Und ich möchte nicht mehr jährlich zusammen mit den Prostituierten aus Senegal und Nigeria und den Drogenhändlern aus Albanien 3 Stunden vor der Questura in Siena anstehen, um anschliessend um das Menschenrecht, in meinem eigenen Haus wohnen zu dürfen, zu betteln. 

Und unsere Jugend soll auch nicht darauf verzichten, dort zu studieren wo für sie (und das Land) die Ausbildung am sinnvollsten ist. Und unsere multinationalen Unternehmen sollen weiterhin ihr Personal frei allozieren dürfen. Die Schweiz ist ein Teil der Welt. Wir wollen es bleiben.

Wir leben in einer Zeit der weltweiten Migration. Hat es immer wieder mal gegeben. Hat sich noch nie aufhalten lassen. Zu sagen, die Völkerwanderungen hätten nur Vorteile gebracht ist vielleicht nicht richtig. Aber aufhalten lassen haben sie sich noch nie. Also gehen wir es doch ein bisschen gelassener an. Es wird angenommen, dass jeder zweite Westeuropäer von Tut-ench-Amun abstammt, aber nur ein Prozent der heutigen Aegypter. Einwanderungsländer wie die USA, Australien, Kanada haben ihr gesamtes menschliches Kapital importiert. Trotzdem ist in allen drei Ländern das nationale Bewusstsein nicht kleiner als in der Schweiz. Und die Schweiz selbst? Jetzt, während der Sotchi-Olympiade, wurde bereits eingehend darüber berichtet, dass die Eltern des Mehrfacholympiasiegers Cologna aus Italien eingewandert sind, die Eltern des Olympiasiegers Podlatchikow aus Russland; und wenn wir schon dabei sind: die Eltern des Tennischampions Wawrinka aus Polen und Deutschland, die Eltern des Tennischampions Federer aus Südafrika. Und wenn wir alle Einwandererkinder aus der Fussballnationalmannschaft entfernen bleibt lediglich Stefan Lichtsteiner übrig. Die Siege und Medaillen nehmen wir gerne. Und Sozialabgaben darf jeder Einwanderer ab dem ersten Tag bezahlen. Sozialleistungen beziehen dann eher wieder nicht. Schliesslich passt er dann doch nicht so richtig auf ein Albert-Anker-Bild. Aber Hand aufs Herz: wollen wir denn eine Schweiz, in der nur Toneli Brunners, Adrian Amstütze, Mörgelis und Maurers leben? Und hätten denn solche Leute unsere Schweiz dorthin gebracht, wo wir heute sind? Denn die Welt und mit ihr die Schweiz steht nicht still, guete Manne u Froue! Innovation, Anpassungsfähigkeit, aktives und positives Mitmachen bringen unsere Gesellschaft vorwärts. Und Toleranz. Eine kurze Uebersicht zeigt, dass auch auf dem Feld der Wirtschaft und Technik nicht alles was uns heute ausmacht, auf schweizerischem Mist gewachsen ist: die grösste Schweizer Firma, die Néstle, wurde vom aus Frankfurt eingewanderten Apothekergehilfen Heinrich Néstle gegründet; die Ciba, Vorgängerfirma der heutigen Novartis, vom aus Lyon eingewanderten Alöexandre Clavel; die BBC, heute ABB, das Schweizer Industrieaushängeschild, vom aus Bamberg eingewanderten Walter Boveri und dem aus England stammenden Charles Brown. Die Konzeption des schweizerischen Einsenbahnnetzes zuhanden des Bundesrats: verfasst vom aus England eingewanderten Robert Stephenson! Und das Ober-Super-Schweizer Produkt Ovomaltine: vom deutschen Chemiker Georg Wander. Die Universität Bern hatte ihn rekrutiert. Die Universität Bern sandte im neunzehnten Jahrhundert Agenten aus, um im Ausland Lehrkräfte zu rekrutieren. Im neunzehnten Jahrhundert waren die Hälfte der Professoren an der Universität Zürich eingewanderte Deutsche. Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts war man in Zürich germanophil. Der Pfarrer Eduard Blocher (1870-1942) verfasste den ernsthaft gemeinten Artikel “Sind wir Deutsche?”. Er musste es wissen, schliesslich war sein Grossvater aus Würtemberg (seine deutsche Wohngemeinde hatte ihn von der Kanzel gejagt, scheint in diese Familie Tradition zu haben) in die Schweiz eingewandert und 1861 eingebürgert worden. Wobei man in dieser kinderreichen Familie eigentlich auch von Masseneinwanderung sprechen kann, ist doch der Enkel Eduards mit 10 Geschwistern aufgewachsen. Aber germanophil wie sein Grossvater ist er nicht, er ist eher durch seine Phobien bekannt. Der vom Bundesrat als Professor auf Lebenszeit ernannte Architekt Gottfried Semper, aus Dresden eingewandert, konstruierte die ETH und das Observatorium in Zürich und das Hotel deVille in Winterthur. Die Gebrüder Snell aus Hessen, massgebliche und einflussreiche staatsrechtliche und liberale Kolumnisten der NZZ, der eine auch Rektor der Universität Bern; Heinrich Zschokke, aus Magdeburg, staatsbildender Politiker und Schriftsteller, den Anschluss Graubündens an die Eidgenossenschaft und die Gestaltung des Kantons Aargau prägend: alles keine Eigengewächse. Aber Schweizer! Und schliesslich der Schweizerische Nationalzirkus: die Familie Knie ist aus Oesterreich-Ungarn eingewandert.

Die Schweiz ist ein hervorragender Ort, um zu leben, zu arbeiten, um etwas zu erreichen und zu verwirklichen. Die Standortvorteile sind phänomenal. Einige dieser Vorteile sind in den letzten 20 Jahren preisgegeben worden. Erobern wir sie uns zurück! Die Schweiz soll rechtssicher bleiben, Stabilität soll sich wieder mit liberalem und aufgeschlossenem Geist vertragen. Wir wollen an vorderster Front in der Welt mitmachen. Das Ohr des Bürgers wollen wir nicht mehr den Scharlatanen überlassen. Imageverlust, zu Recht erfolgte Vorwürfe der Rosinenpickerei, Diffamierungen, Menschenrechtsverletzungen: wollen wir nicht mehr! In den USA gilt das Ziel, dass jeder alles erreichen kann. Warum soll dies in der Schweiz nicht mehr möglich sein? 

Es gilt, einen Gegenentwurf zur das Land vor sich hertreibenden Maschinerie des Beppe Grillo Herrlibergensis zu entwerfen. Junge gescheite Leute wie foraus arbeiten daran. Unterstützen wir sie!